Der letzte Film – Nachgedanken zu „KirchenKino“

.

Von Cornelia Seng

 

Mit dem gestrigen Film „Back to the Fatherland“ haben wir das Projekt „KirchenKino im Film-Eck“ beendet.

Auf dem Fußweg zum Kino „Film-Eck“ durch die kalte Januarluft musste ich unwillkürlich an den Beginn im Januar 2003 denken: Zusammen mit dem leicht gehbehinderten Hellfried Heilbutt habe ich die Schneeberge in der Telegrafenstraße umgangen, um den ersten Film „Kindertransport“ gemeinsam mit ihm zu sehen.

Hellfried Heilbutt ist ein Zeitzeuge. Um den Verbrechen der Nazi-Zeit zu entgehen, wurde er als 12jähriger Junge mit dem Kindertransport von seinen Eltern nach England geschickt. Das hat ihm vermutlich das Leben gerettet. Und uns Nachgeborenen hat es die Begegnung mit ihm geschenkt und die Chance zu verstehen, was deutschen jüdischen Bürgern damals zugefügt wurde durch den Rassenwahn der damaligen faschistischen Herrschaft in Deutschland.

In dem Film, der gestern lief, kehren die Enkel von Überlebenden zurück nach Deutschland und überlegen, was es für sie bedeutet, wieder im Land der Täter zu leben.

Zwischen den beiden Filmen liegen 16 Jahre! 16 Jahre, in denen auch ich viel verstehen gelernt habe durch die Auswahl der Filme.

Ich erinnere mich an skeptische Stimmen am Anfang: „Kann das Aufgabe der Kirche sein, ‚Kino’ zu machen? Sollten Pfarrer nicht eher Gottesdienste und Bibelstunden halten?“
Zugegeben: Amerikanische Bekehrungsfilme haben wir nicht gezeigt. Aber wir waren sehr sorgsam bei der Auswahl der Filme und haben uns gefragt: „Passt die Aussage des Films zum Evangelium von Jesus Christus? Wird darin etwas sichtbar, ein Gedanke angestoßen oder eine Frage gestellt, die uns als Christen hier und heute beschäftigen sollte?“

Nicht immer waren es „schöne“, unterhaltsame Filme, die wir gezeigt haben. Die beiden Filme über das Schicksal von Frauen und Mädchen in Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban sind an die Nieren gegangen. Aber wer in der Welt sollte noch den Mut und die Kraft haben, hinzusehen und mitzuleiden, wenn nicht Christen?
Es gab auch Filme über die Welternährungslage, Filme, die über die rücksichtslose Macht der Großkonzerne aufgeklärt haben. Christen heute müssen wissen um die Verantwortung, die wir mit unserem selbstgewählten tagtäglichen Lebensstil tragen.

Jeder Film, der im KirchenKino lief, ist erst durch unsere Sichtung gelaufen. Wir haben ihn durch „unsere Brille“ gesehen. Mancher Film war uns zu harmlos, zu brutal oder einfach zu platt. Dann haben wir ihn nicht gezeigt.

„Mit Jesus hat Gottes Liebe Beine bekommen“, sagte der junge Kollege in der Freien Gemeinde bei der Predigt vor Kurzem. Was ist Nachfolge Jesu heute anderes, als Jesu Botschaft unters Volk zu bringen? KirchenKino wollte dazu ein Impuls sein.

„Back to the Fatherland“, der letzte Film, ist dafür ein gutes Beispiel. Junge Juden entschließen sich, gegen die Bedenken ihrer Großeltern wieder in Österreich und Deutschland zu leben.

Beeindruckt haben mich nicht nur die liebevollen Dialoge zwischen den Generationen in dem Film. Beeindruckt hat mich auch der Mut dieser jungen Menschen, in dem Land, in dem vor achtzig Jahren ihre Vorväter und -mütter grausam verfolgt und getötet wurden, wieder an Demokratie und Menschenrechte zu glauben.

Mir, die ich hier schon immer wohne, klingt dabei die Jahreslosung 2019 im Ohr: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Es ist an uns, an den Deutschen der Nachkriegszeit, den jüdischen Mitbürgern in unserem Land und allen Zugewanderten ein friedliches und sicheres Zuhause zu gewähren. Wir müssen am Frieden bauen und ihn erhalten in unserer Stadt, in unserem Land und in unserer Welt. Auf jeden von uns kommt es an.

Herzlichen Dank an Joachim Picard und den Männerkreis West für die gelungene Auszeichnung mit der „Goldenen Filmspule“ und die anerkennenden Worte! Und den Eheleuten Schiffler sei gedankt für die wunderbare Zusammenarbeit. Und überhaupt allen in Wermelskirchen, die das „KirchenKino“ besucht und geschätzt haben: Danke für die Resonanz! Es hat uns Freude gemacht!